Wie kann Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen konkret gelebt werden – im Arbeitsalltag, aber auch im eigenen Leben? Mit dieser Frage beschäftigte sich am 6. Oktober 2026 ein Pflegekurs Auszubildende der Ausbildungsakademie für Pflegeberufe des Uniklinikums Aachen im Rahmen der CSI-Summerschool.
Die Summerschools des Projekts Care for Sustainable Innovation (CSI) bieten Raum, um unterschiedliche Innovationsfelder und Wege zur Fachkräftesicherung professionsübergreifend zu diskutieren. Gleichzeitig sollen Nachwuchskräfte der Gesundheitsbranche für Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Mobilität, Energie und Bauen oder Digitalisierung qualifiziert und begeistert werden.
Dieses Mal stand einen ganzen Tag lang das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Von 8:30 bis 16:00 Uhr beschäftigten sich die Auszubildenden mit der Frage, wie nachhaltiges Handeln sowohl im Gesundheitswesen als auch im persönlichen Alltag gelingen kann. Moderiert wurde die Summerschool von Hannah Jach und Jona Pannenbeckers von MA&T Sell & Partner GmbH.
Von Planetary Health bis nachhaltiger Digitalisierung
Nach einem gemeinsamen Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit, ihre Auswirkungen auf unseren Planeten und die Bedeutung von Planetary Health sowie einer ersten Selbsteinschätzung folgten verschiedene fachliche Impulse.
Herr Kulka, Manager Energie und Nachhaltigkeit bei der ukafacilities GmbH, gab Einblicke in das Themenfeld Energie und Digitalisierung am UKA. Dabei wurde unter anderem deutlich, welche Rolle digitale Anwendungen für den Energie- und Ressourcenverbrauch spielen und welche Chancen Digitalisierung gleichzeitig für mehr Nachhaltigkeit bieten kann.
Melanie Wiemuth, Nachhaltigkeitsmanagerin am UKA, stellte bereits bestehende Nachhaltigkeitsmaßnahmen des Uniklinikums Aachen vor. Gleichzeitig zeigte sie Herausforderungen und Verbesserungspotenziale auf und machte deutlich, an welchen Stellen auch die Auszubildenden selbst zu einem bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen beitragen können.
Einen weiteren Impuls gab Judith Knott aus der Pflegewissenschaft am UKA. Sie beschäftigte sich mit dem Konzept Planetary Health und den Zusammenhängen zwischen menschlicher Gesundheit, Ernährung und Umwelt.
Im Mittelpunkt stand dabei immer der Bezug zur Lebens- und Arbeitswelt der Auszubildenden: Welche Ressourcen verbrauchen digitale Anwendungen? Wo entstehen im Krankenhaus vermeidbare Abfälle? Wie können Einmalprodukte bewusster eingesetzt werden? Und welchen Einfluss haben unsere Ernährungs- und Konsumentscheidungen?
Nach der Mittagspause mit vegetarischen Wraps, Broten und weiteren Snacks ging es praktisch weiter. Zur Auflockerung gab es zunächst ein Hygiene-Spiel, bei dem die Auszubildenen den Einsatz von Einmalhandschuhe auffrischen konnten. Anschließend konnten die Auszubildenden in verschiedenen Workshops das zuvor Gelernte vertiefen, diskutieren und auf konkrete Situationen übertragen.
Diskutieren, hinterfragen und eigene Lösungen entwickeln
In Kleingruppen beschäftigten sich die Teilnehmenden unter anderem mit dem Ressourcenverbrauch digitaler Anwendungen, mit Klima-Dilemmata im Krankenhaus und mit nachhaltiger Ernährung. Dabei entstanden Plakate mit Ideen, Berechnungen, Argumenten und konkreten Handlungsmöglichkeiten.
Beim anschließenden Gallery Walk stellten die Gruppen ihre Ergebnisse gegenseitig vor und kamen miteinander ins Gespräch. Besonders erfreulich war die hohe Beteiligung des Pflegekurses: Die Auszubildenden brachten eigene Erfahrungen ein, hinterfragten bestehende Routinen und diskutierten offen miteinander.
Ein Teilnehmer berichtete, dass es für ihn das erste Mal gewesen sei, dass er sich ernsthaft mit anderen über das Thema Nachhaltigkeit ausgetauscht habe – und dass dies für ihn eine sehr positive Erfahrung gewesen sei.
Genau dieser Austausch ist ein wichtiges Ziel der Summerschool. Die Teilnehmenden sollten nicht nur Wissen mitnehmen, sondern auch Argumente und Fakten kennenlernen, die sie künftig in Gesprächen mit Freundinnen und Kolleginnen sowie im eigenen beruflichen Umfeld nutzen können.
Kleine Veränderungen mit großer Wirkung
Am Ende des Tages wurde deutlich: Nachhaltigkeit muss nicht immer mit großen Veränderungen beginnen. Viele Handlungsmöglichkeiten liegen direkt im eigenen Alltag.
Als konkrete Erkenntnisse nahmen die Auszubildenden unter anderem mit, bewusster zu konsumieren, häufiger regional und saisonal einzukaufen, Einmalhandschuhe und andere Verbrauchsmaterialien im Krankenhaus gezielter einzusetzen und Abfälle konsequenter zu trennen – nicht nur zuhause, sondern auch am Arbeitsplatz.
Damit hat die Summerschool nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch dazu angeregt, das eigene Handeln zu hinterfragen und Nachhaltigkeit als gemeinschaftliche Aufgabe zu verstehen. Denn nachhaltige Veränderungen können beim eigenen Verhalten beginnen – sollten dort aber nicht aufhören.
Ein großes Dankeschön gilt dem engagierten Pflegekurs, allen Impulsgeberinnen und Unterstützerinnen sowie der Ausbildungsakademie des Uniklinikums Aachen für einen abwechslungsreichen, praxisnahen und diskussionsreichen Tag.
📷 © Uniklinik RWTH Aachen